Impuls :Licht der Hoffnung

Wir haben die Bildworte vom Salz der Erde und vom Licht der Welt oft gehört. Mir ist aufgefallen, dass Jesus nicht sagt, ihr sollt das Salz der Erde oder das Licht der Welt sein. Er sagt vielmehr: Ihr seid (schon) das Salz der Erde und das Licht der Welt! Er sagt diese Worte zu einfachen Menschen, zu Fischern, Bauern, Handwerkern vielleicht waren auch kleine Gauner und Betrüger darunter. Ihnen allen traut er etwas zu und erkennt ihre Fähigkeiten an.
Er sagt diese Worte auch zu uns. Gerade in einer Zeit, die von vielen Krisen, Orientierungslosigkeit und fake news gekennzeichnet ist, ermutigen uns diese Worte, die Welt um uns herum mit unseren Möglichkeiten etwas würziger und lichtvoller zu machen. Schon eine kleine Prise Salz kann viel bewirken. Es würzt die Speisen, desinfiziert und das Salz vom Toten Meer ist heute ein wichtiges Heilungsmittel. Licht vertreibt die Dunkelheit und gibt Orientierung. Die Worte zeigen uns, dass schon kleine Gesten ausreichen, um das Leben hoffnungsvoller zu machen: Gerade in einer Zeit, in der sich jeder zunächst selbst der Nächste ist, erscheint es wichtig zuzuhören, wenn jemand von seinen Sorgen reden will oder etwas auf dem Herzen hat, selbst wenn es das wiederholte Mal ist. Das erleben wir in der Trauerbegleitung immer wieder. Auch Gesten der Nachbarschaftshilfe können viel bewirken und Respekt und Wertschätzung anderen Menschen gegenüber können den Alltag für sie lichtvoller machen. Auch die Bereitschaft, für seine Überzeugung einzutreten statt politischen Parolen zu folgen, können Menschen zum Nachdenken bringen. Es lassen sich noch zahlreiche Beispiele anführen.
Wir können nicht die ganze Welt verändern, aber im Rahmen unserer kleinen erscheinenden Möglichkeiten können wir sie lichtvoller machen.
Die ersten Christen haben diese Bildworte verstanden und danach gelebt. Deswegen hatten sie auch großen Zulauf. Sie überzeugten, weil sie die konkrete Not sahen und halfen, egal wer der Not leidende Mensch war, weil sie in ihm Christus erkannten.
Die Bilder, die Jesus wählte, zeigen, dass das Evangelium im Alltag gelebt werden soll. Salz und Licht sind Alltagsgegenstände. Schon eine kleine Prise Salz reicht aus, um das Essen schmackhaft zu machen, zu viel davon kann das Essen verderben. Es wird also nicht zu viel von uns erwartet. Ich kann mir vorstellen, dass die Zuhörer Jesu geschmunzelt haben, wenn er davon sprach, man solle sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Das ist ein Gefäß, in dem Getreide abgemessen wird. Das ist so absurd wie wenn ein Autofahrer nachts seine Scheinwerfer überklebt.
Diese Worte ermutigen uns, als Christ in der Welt sichtbar zu sein. Gerade in einer Zeit, in der viele Nachrichten mutlos machen, erscheint es mir wichtig sich nicht entmutigen zu lassen und zu zeigen, dass wir aus einer Hoffnung heraus leben dürfen. Die Bibel kennt wunderschöne Hoffnungsgeschichten: Abraham, der im Vertrauen auf Gott noch im hohen Alter einen neuen Anfang wagte. Josef vertraute, als er von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde, darauf mit seinen Fähigkeiten den Menschen helfen zu können und dass Gott auch aus Schlechtem Gutes schaffen kann. Hiob ließ auch im äußersten Leid die Hoffnung aufkeimen: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Jesus machte durch seine Worte und sein Handeln die Wirklichkeit Gottes für uns Menschen sichtbar. So können wir heute Licht der Welt sein, wenn wir Hoffnung verbreiten, dass wir in unserem Alltag von Gott angenommen und bejahrt sind und dass es bei ihm auch nach einer Erfahrung des Scheiterns einen neuen Anfang gibt, auch über den Tod hinaus.
Wenn wir diese Hoffnung leben, kann die Welt um uns herum trotz besorgniserregender Nachrichten lichtvoller sein. In diesen Tagen feiern viele Menschen Karnevall und in dem rheinischen Grundgesetz erkennen ich diesen Hoffnungsgedanken: Et kütt wie et kütt, es is noch immer jut jejangen. Martin Luther formulierte es so:“ Und wenn die Welt morgen untergeht, werde ich heute dennoch ein Apfelbäumchen pflanzen. Dieses schöne Bildwort zeigt, dass wir auch heute Salz der Erde oder Licht der Welt sein können. Dazu wünsche ich uns allen den Mut, die Kraft und das Vertrauen.
Regina Gutt, Religionslehrerin i.R., Trauerbegleiterin