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Impuls zu Hos 6,3-6 und Mt,9,9-13:Ein Gott der Liebe, der lockt

Kennen sie das, dass sie sich ab und zu mit der Frage beschäftigen, wie kann ich mir diesen Gott eigentlich vorstellen, auf dem mein Glaube beruht. Tragen mich die Bilder, die mir von Kindheit an vermittelt wurden? Merken sie manchmal, dass ihnen Vorstellungen fremd werden?
Datum:
9. Juni 2026
Von:
Beatrix Hillermann

Die Bibel ist eine Fundgrube für solche Fragen – sie hat viele unterschiedliche Bilder von Gott, die ich mit meinem Leben und meinen Fragen verbinden kann.

Die beiden Texte, die wir heute gelesen haben, geben mir spannende Antworten auf meine Fragen. Bei Hosea in der Lesung erleben wir einen Gott, der um seine Menschen wirbt. „Was soll ich mit dir tun, Efraim? Was soll ich mit dir tun, Juda?“ Wie eine verzweifelte Mutter, die ihren Kindern sagt, ich habe es dir doch schon so oft gesagt, warum musst du wieder mit der Schaufel deinen Bruder hauen – Warum könnt ihr euch das Spielzeug nicht teilen“ (Diese Fragen erlebe ich bei meinen Enkeln ganz häufig – mit großer Geduld und viel Liebe interveniert meine Tochter immer wieder.) Auch Gott interveniert immer wieder mit großer Liebe, „kommt doch auf den richtigen Weg“ „Denn an Liebe habe ich gefallen, nicht an Schlachtopfern“ Ganz ähnliche Dinge wie wir heute, erlebt der Prophet Hosea in seiner Zeit:  Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer und die Abhängigkeit der Minderbemittelten von den Großgrundbesitzern vergrößert sich zusehends. Die Menschen wenden sich von Jahwe ab und verehren die kanaanäischen Gottheiten, sowie heute die Börsenkurse, schnelle Autos oder die ewige Jugend verehrt wird. Haben sie am 26.05. den Bericht in den Nachrichten gehört, wonach die Zahl der Superreichen erneut ansteigt. 5000 Superreiche, dh. Menschen, die mehr als 86 Millionen Euro besitzen, halten ein Viertel des Gesamtvermögens. Das ist nach meiner Wahrnehmung und nach dem, wie ich die biblischen Aussagen verstehe, im höchsten Maße unmoralisch. Hosea sieht die Ursache von allem Übel in der Abkehr der Menschen von Gott, deshalb versucht er mit Herzblut in seiner Schrift den Menschen die Liebe Gottes nahe zu bringen. Der Gott, den Hosea in dieser Bibelstelle beschreibt, ist ein Gott der um die Menschen wirbt, der sie in seine Liebe und in liebevolle Handlungen locken möchte. 

Der Gott, der um die Menschen wirbt, ist mir vor einiger Zeit in der Prozesstheologie begegnet -eine junge theologische Richtung, die davon ausgeht, dass Leben ein Prozess ist, der sich ständig weiter entwickelt und das auch Gott kein statisches Prinzip oder eine festgelegte Person ist. In der Prozesstheologie ist auch Gott im Kontakt mit seinen Menschen in Entwicklung und Gott wirbt darum, dass die Menschen seinen Weg der Liebe gehen.

Im Evangelium wirbt Jesu für seinen, für den göttlichen Weg der Liebe. Und er scheut sich nicht, auch mit denen in engen Kontakt zu gehen, die die Gesellschaft eher verachtet. Die Verachteten der damaligen Zeit, das waren die Zöllner und Sünder – Jesus lässt sich von Ihnen einladen und setzt sich mit ihnen zu Tisch. „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“. so seine Aussage. Es geht nicht darum alles gut zu heißen oder alles gleich-gültig zu machen, aber es geht darum, dass jeder Mensch, wirklich jeder eine Würde hat. Mir fällt es oft schwer mit den seelisch verletzten und verwundeten Kontakt aufzunehmen, die als Obdachlose oder Bettler unsere Straßen bevölkern. Ich habe da viel Unsicherheit im Gepäck, wie ich mich verhalten soll. Soll ich – kann ich da jedes mal etwas geben? Hilft das überhaupt? Neulich durfte ich einen jungen Mann bestatten, der, drogenabhängig, viele Jahre auf der Straße gelebt hatte. Das Gespräch mit der Schwester hat mich sehr berührt, wieviel Schweres er als Kind schon auf die Schulter gelegt bekommen hatte. Und die Freunde von der Straße waren auf seinem letzten Weg dabei, respektvoll, traurig und nachdenklich. Jesus war davon überzeugt, dass die Verachteten, die Zukurzgekommenen und die Abgehängten ein recht darauf haben, gesehen zu werden. So hat er gehandelt gegenüber Zöllnern, Sündern, Prostituierten und Ausgestoßenen und so ist es unser Auftrag als Christen. Ideologien, die zwischen Deutschen und Migranten, zwischen wertvoll und unwert unterscheiden sind nicht nur menschenverachtend, sondern zutiefst unchristlich. 

Da bin ich der Bibel dankbar, dass sie bei allen Unterschiedlichkeiten in ihren Gottesbildern, immer wieder deutlich macht, unser Gott ist ein Gott der Liebe, ein Gott, der Leben für seine Menschen möchte, gutes Leben hier und jetzt und über den Tod hinaus. Gott lockt uns auf seinen Weg der Liebe – „sei doch mal nachsichtiger mit den Schwächen deiner Mitmenschen“, sagte mein Mann mir neulich am Telefon als wir über eine Freundin sprachen, deren Verhaltensweisen ich schräg fand. „Sei doch mal nachsichtiger mit den Schwächen deiner Mitmenschen“ – das könnte ein Schritt sein, sich von und in Gottes Liebe hinein locken zu lassen. Wenn das Viele täten, wären wir ein ganzes Stück weiter unseren Gott der Liebe in dieser Welt wirksam werden zu lassen.