Kniende mit erhobenen Händen, um 1970-72

von Günther Oellers (1925 – 2011)

Licht (c) Linzer Bildhauer Günther Oellers
Datum:
Di. 29. Juni 2021
Von:
Dr. Adam Oellers

Auf dem Vorplatz der Grabeskirche St. Elisabeth in Mönchengladbach-Eicken wurde 2021 eine steinerne Skulptur des Linzer Bildhauers Günther Oellers aufgestellt.

Günther Oellers, der ab 1947 an den Kölner Werkschulen Bildhauerei studierte und 1951 zu einem einen Aufenthalt nach Paris aufbrach (Studium bei Zadkine und Atelieraufenthalt bei Brancusi) hat - vor allem im Rheinland – zahlreiche öffentliche Skulpturen sowohl für den Stadtraum als auch für viele Sakralräume geschaffen. Nicht zuletzt durch die Tätigkeit von Oellers als „kultureller Netzwerker“ wurde das Atelier- und Wohnhaus des Künstlerpaares Oellers in Linz/Rhein zu einem beliebten Treffpunkt für viele Künstler und Kunstfreunde.

Darüber hinaus war Günther Oellers 1975 Gründungsmitglied der FIU (Freie Internationale Universität) - zusammen mit Beuys, Heinrich Böll, Meistermann u.a. Im Jahre 1985-87 hatte er einen Lehrauftrag für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Das Grundthema in den Skulpturen von Günther Oellers ist die Darstellung des Menschen als eine handelnde Gemeinschaft, und zwar nicht mehr in seiner individueller Vereinzelung, sondern als eine in Form gefasste, zum gestalteten Block abstrahierte Vorstellung eines übergreifenden WIR-Seins. Dies gemeinsame Tun mag sich in einer rhythmischen Rundum-Bewegung der Skulptur, oder auch in einer streng geschnittenen Profilansichtigkeit widerspiegeln.

Die jetzt aufgestellte Skulptur, die hier (wie in den meisten Arbeiten von Oellers) eine der zentralen menschlichen Tätigkeiten aufgreift, erschließt sich dem Betrachter von zwei Seiten. In der Seiten- oder Profilansicht wird das Motiv des Kniens und der zum Betern erhobenen Hände in einer reduzierten Gestik sichtbar und scheint sich perspektivisch zu einer nicht mehr zählbaren Reihung von Betern zu verlängern. In einer vorderen Ansicht tritt die Masse des mächtigen Basaltblocks als eine kraftvoll in den Raum gesetzte Gestalt dem Besucher entgegen, der zugleich aber auch die feine ornamentale Rhythmik unter der Reihe der Hände als ein kleines Zeichen einer kultischen Einbindung erkennen mag.

Mit der neuen, gegenüber dem Kircheneingang aufgestellten Skulptur verbinden sich Architektur, Plastik und kultische Funktion zu einer gemeinsamen, dem heutigen Verständnis von Religion und bildender Kunst verpflichteten Sprache und es wird zugleich ein Weg zurück zur Kirche angedeutet.