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Impuls zu Sach 0,9-10 und Mt 11,25-30 :Last abnehmen

Wir leben in einer Welt, in der Leistung zählt. Wer klug ist und sich anstrengt, kommt weiter. Jesus dreht diesen Maßstab völlig um. Er preist Gott dafür, dass er die Geheimnisse des Himmels nicht den Superklugen geoffenbart hat, sondern den Unmündigen. Wie meint er das?
Datum:
1. Juli 2026
Von:
Regina Gutt

Schauen wir auf den Kontext des Evangeliums. Jesus ist darüber verärgert, dass die theologischen Lehrer und Rechtsgelehrten seine Botschaft ablehnten und auch Johannes den Täufer getötet haben. Für viele Menschen seiner Zeit war er ein Rebell, durch seine Botschaft von der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes könnte ihr System ins Wanken geraten. Das Besondere ist, Jesus lässt sich von seinem Zorn nicht hinreißen, sondern formuliert seinen Anspruch in einem Gebet. Er preist Gott, den er seinen Vater nennt, dafür, dass nicht die Klugen und Rechtsgelehrten wissen, was vor Gott wichtig ist, sondern die Menschen, die mit dem Herzen sehen. Ich würde sie nicht als unmündig bezeichnen, sondern es sind Menschen, die ihre Arbeit verrichten. Sie fragen nicht: Lohnt sich das, sondern die ihre Arbeit gerne tun und mit dem Herzen dabei sind, damals wie heute.

Zugleich zeigt sich in diesem Gebet Jesu indirekter messianischer Anspruch. In der Bergpredigt sagte er: „Ihr habt gehört, was zu den Alten gesagt wurde, ich aber sage euch“. 

An der Stelle stellt er seine Botschaft über die Thora. Hier in diesem Evangelium betont er seine Verbundenheit mit Gott, den er seinen Vater nennt. „Niemand kennt den Sohn als nur der Vater und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.“ Diese Umkehr der Maßstäbe ist ein besonderes Merkmal der Botschaft Jesu. 

Für Jesus sind alle Menschen von Bedeutung, die ihr Herz für seine Botschaft öffnen, damals wie heute. Deshalb spricht er die bekannte Einladung aus.“ Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. In unserer Sprache könnte es heißen: „Kommt alle zu mir, die ihr euch abmüht und belastet seid. Ich will euch Ruhe schenken“. Die heutige Zeit ist in vielen Bereichen von Optimierung geprägt, im Beruf, in der Beziehung und sogar in der Freizeit. Die Erfahrung, müde und belastet zu sein, werden Sie alle kennen: müde vom Erfolgsdruck, von den Erwartungen anderer, von den extremen Temperaturen. Auch Trauer und Einsamkeit lasten oft schwer. Es gibt viele Gründe belastet zu sein. Nicht umsonst heißt es: Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Manchmal erscheint dieses auch wie ein schweres Packet. 

Interessanter Weise sagt Jesus nicht: „Werft eure Lasten ab.“ Vielmehr fordert er dazu auf, sein Joch. auf sich zu nehmen und von ihm zu lernen. Das Joch war den Zuhörern Jesu aus der bäuerlichen Kultur bekannt. Dem Zugochsen wurde dieses Werkzeug um den Hals gelegt und so konnte er schwere Lasten ziehen. Das Wort Jesu lädt damals wie heute dazu ein zu unterscheiden: Welche Last ist zu bewältigen und welche Hilfsmittel gibt es?  Dies hat er in Demut und Güte vorgelebt. Er ließ sich von den Menschen beanspruchen, hat Leiderfahrungen geteilt und jedem Menschen das Gefühl vermittelt, vor Gott kostbar zu sein. Das konnte er, weil er sich mit seinem Vater verbunden fühlte und sich auch Auszeiten nahm.

Damals wie heute will er ermutigen, die Sorgen und Belastungen zumindest für einen Moment loszulassen und Ruhe und Frieden finden. Zudem ermutigt er uns, Hilfe anzunehmen, denn geteilte Last ist halbe Last. Das kann schon der Fall sein, wenn jemand einfach einmal zuhört und Anteil an den Sorgen und Problemen der Mitmenschen nimmt. Das merken wir in der Schule und Trauerbegleitung immer wieder. Der englische Dichter Charles Dickens hat gesagt: „Niemand ist nutzlos in dieser Welt, der anderen die Last leichter macht.“  Die Lasten verschwinden so nicht, aber sie bekommen ein anderes Gewicht.

Ich wünsche Ihnen allen viele Kraftquellen und liebe Lastenträger an Ihrer Seite. Dazu können die Ferien und ein Urlaub eine gute Gelegenheit sein.